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Lesedauer: 8 Minuten

160 mm Enduro:

Conway eWME 727

Ich hab' schon mächtig gestaunt, als ich auf der Eurobike Anfang Juli den Conway Stand besucht habe: Von der Fläche größer als so mancher Stand der ganz Bekannten und bestückt mit einem schicken Lineup an Bikes der verschiedenen Kategorien - außer reinen Straßenrennern. Die gibt es bei Conway, einer Marke der Hermann Hartje KG, (noch) nicht. Was es aber bei Conway gibt, sind waschechte Vollgas-Enduros mit Shimano Motor.

Ich konnte das Topmodell der letzten Saison fahren und kann euch bestätigen: Sehr geiles Rad! Aber ehrlich, knapp sechs Mille für das aktuelle Modell Jahrgang 2018 sind auch verdammt viel Geld. Was bringt das eWME 727 mit, um diesen Preis zu rechtfertigen? Viel Gewicht jedenfalls nicht - mit etwas über 21 kg zwar kein Leichtgewicht, aber bitte, es handelt sich hier um ein waschechtes Endurobike mit 160 mm Federweg für schweres Gelände. So gesehen sind die 21 Kilo schon ziemlich wenig. Bis auf Sattel und Griffe sind am eWME 727 ausschließlich 'Top Brand' Komponenten verbaut. Und so liest sich die Austattungsliste auch wie ein Who is Who der Hätte-ich-gerne Parts: Rockshox Pike RC im Boost Format an der Front, Rockshox Monarch Plus RC3 Dämpfer hinten. In der Mitte der 8000er Shimano Antrieb, der es noch immer mit fast jedem anderen Antrieb aufnehmen kann. Verzögert wird mit Shimano XT mit Bremsscheiben der Größen 203 und 180 mm (2018er Modell: Shimano Saint Bremsen). Natürlich DT Swiss Felgen und Naben, natürlich Schwalbe Bereifung mit Magic Mary vorne und Fat Albert hinten. Beim aktuellen Modell ist am Heck nun auch Magic Mary montiert, was sicher besser zur Auslegung des Bikes passt. Die Devise von Conway ist klar: Keine Experimente - das Bike muss funktionieren; auch unter schwierigen Bedingungen. Das die elektronische XT Di2 Schaltung hier keine Ausnahme ist, hat sie bereits in vielen Tests bewiesen. Vorne gibt's ein Einfach-Kettenblatt mit 34 Zähnen und 175er Kurbeln, hinten wird mit allem möglichen zwischen 11 und 42 Zähnen (2018er: 46) Antriebskraft und Speed nach Lust und Laune variiert. Bergab pedalliern wie ein Irrer um den wirklich allerletzten Kilometer an Topspeed rauszuholen erübrigt sich bei einer 34/11 Übersetzung - machst Du mit dem Endurobike aber auch nicht. Ein Pro Tharsis Vorbau in Verbindung mit Pro Tharsis Carbon Lenker in 800 mm und eine Rockshox Reverb Stealth Sattelstütze vervollständigen die Austattungsliste. Zusammen mit dem schön verarbeiten Alurahmen mit asymetrischen Kettenstreben nennt sich das ganze nun Conway eWME 727 und ist eine Fahrmaschine par excellence.

Was das Bikedesign angeht ist mir das Conway allerdings zu brav - zuviel Understatement für meinen Geschmack. Nichts was irgendwie hier bin ich schreit; und ein cooles Design finde ich schon wichtig - nicht zuletzt wenn man so viel Geld ausgibt. Ich denke hier kann die Bikebranche insgesamt noch einiges im Motorraduniversum lernen.

Freeriden 2.0 mit dem eWME

Ein fettes Endurobike, was das eWME 727 zweifelsfrei ist, testet man am besten dort, wo man sowohl den Antrieb richtig fordert, als auch mit den 160 mm Federweg spielen kann. Also auf in die Alpen? Mitnichten. Denn tatsächlich haben doch nur die wenigsten von uns die Möglichkeit, Tag für Tag durch's Gebirge zu shredden. Und gerade mit dem E-Endurobike kann man sich ja Trails und Abenteuer vor der Haustüre erschließen. Für mich persönlich ist E-Endurobiken eine Art Freeriden 2.0 - du kannst wirklich Neues entdecken und dort fahren, wo eben nicht jeder hin- und durchkommt. Dafür braucht's aber ein richtig toughes Bike; ein eWME 727.

Der wohlbekannte 8000er Shimano Steps passt sehr gut zum Bike und ist nach wie vor ein wettbewerbsfähiger Antrieb. Ordentlich Power, gerade im sogenannten 'Boost Mode', und in Verbindung mit der elektronischen Schaltung mit größtmöglichem Bedienkomfort. Das Shimano Bedienkonzept für die unterschiedlichen E-Unterstützungsstufen ist unerreicht. Unglaublich, wie gut die Schaltung ganz ohne mechanischen Zug funktioniert. Ein weiteres tolles Feature ist auch die Ganganzeige am Display. Sicher, der Yamaha PW-X und natürlich auch TQ's HPR 120S Motor sind deutlich stärker als der Shimano Motor, aber dank der genialen Schaltung fällt das gar nicht so sehr ins Gewicht. Und dann gibt es bei Shimano auch noch die Möglichkeit, die Leistungscharakteristik mit dem Smartphone an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Finde ich echt sehr, sehr cool.

Auf dem Trail macht das Bike richtig Laune und alles funktioniert wie es soll. Ehrlich gesagt, ich habe auch nichts anderes erwartet. Der 800 mm Lenker ist sicherlich für so manch' Biker/Bikerin dann doch etwas zu breit. Richtig geil an dem Carbonlenker ist aber die Steifigkeit: ein fühlbarer Unterschied zu herkömmlichen Alulenkern. Ich glaube wer einmal so einen Carbonlenker gefahren ist will nichts mehr anderes. Definitiv für mich ab sofort das ultimative Tuningteil.

Es macht heftig Spaß sich über rutschiges, tiefes Geläuf kleine und große Steigungen hochzuboosten. Hier kommt echtes Endurofeeling auf. Verlangt allerdings ziemlich Strom. Speziell im fun-orientierten Boost-Mode zieht der Shimano gewaltig Strom aus der 504 Wh Batterie. Bei der Tourenplanung ist das unbedingt zu berücksichtigen. 30 km im Boost-Mode und die Akkukapazität neigt sich dem Ende. Im Trail-Mode hält er zum Glück gut doppelt so lange. Eco fahre ich nur in der Ebene auf eher langweiligen Verbindungsetappen. Wird Zeit, dass Shimano die Kapazität der Akkupacks deutlich erhöht; ich denke 750 Wh wären für's erste ok. Hoffe wir sehen die ersten leistungsgesteigerten Akkupacks schon auf der Eurobike 2019.

Während das eWME super viel Spaß auf dem Stuttgarter 'Woodpeckertrail' mit seinen langen Kurven macht, kann auf den Herrenberger 'Winding Trails' keine rechte Fahrfreude aufkommen: für die engen Lines mit noch engeren Kehren ist mir das Bike einfach zu groß, zu breit und mit dem 66,5° Lenkwinkel auch nicht wendig genug.

Stichwort 'Fahren wo niemand fährt' - die für das Stuttgarter Umland typischen 'Klingen' (= steil eingeschnittenen Kerbtäler) sind so ein Ding. Es gibt 'Klingen', die führen nur bei Starkregen Wasser und treiben dann kleineres und größeres Geröll vor sich her. Bei Trochenheit eine echte Herausforderung, macht aber richtig Laune und man fühlt sich ein klein wenig wie Graham Jarvis. Die Größe des Conway ist im Bachbett durchaus von Vorteil. Alles ist eben relativ. 

Relativ viel bügelt das Rockshox Fahrwerk aus. Das Ansprechverhalten der Pike ist super. Der Hinterbau wirkt stabil und macht keine Anstalten sich beim 'boosten' irgendwie zu verwinden. Das Zusammenspiel der Federelemente wirkt insgesamt sehr harmonisch. Einstellmöglichkeiten sind in dieser Klasse natürlich vielfältig vorhanden und man sollte auch davon Gebrauch machen. Eine zu softe Abstimmung führt schnell zu unschönen Aufsetzern - zum Glück ist ab Werk eine entsprechende Schutzplatte montiert. Auch die langen Kurbeln bekommen recht schnell Bodenkontakt. Mir macht das Bike auf schnellen, harten Bergabpassagen am meisten Freude. Da kann man es so richtig krachen lassen und das exzellente Fahrwerk sorgt dafür, dass man recht entspannt unten ankommt.

Über die Bremsen brauche ich nicht viel zu schreiben; sie packen gut zu und lassen sich fein dosieren. Schätze die 2018er Modelle mit Saint Bremsen gehen unter Laborbedingungen noch etwas besser - so richtig kann ich das 'Upgrade' aber nicht nachvollziehen. Die XT Bremsen mit 203er Scheibe vorne und 180er hinten sind auch längeren Trails bergab gewachsen.

Resümee

Das Conway eWME ist ein tolles, hochwertig ausgestattetes Endurobike. Motor, Schaltung und Bedienkonzept überzeugen auf ganzer Linie. Der Carbonlenker ist klasse und trägt seinen Teil zum insgesamt sehr guten Handling bei. Die ganz winkeligen Trails sind nicht die Stärke des Bikes. Es will mit einem gewissen Grundspeed bewegt werden und dabei zeigen die hochwertigen Federungskomponenten ihre Klasse: Am Ende bin ich mit dem Bike an einigen Stellen deutlich schneller unterwegs als ich vielleicht sollte - dank der guten Bremsen und dem ausgeglichenen, harmonischen Fahrverhalten des eWME aber kein Problem. Nicht überzeugt hat mich der Sattel; er ist sowas von bretthart und ich denke bei einem Bike dieser Preisklasse kann man an dieser Stelle mehr erwarten. Vielleicht sind Sattel und Pedale aber bei einem solchen Bike sowieso Teile, die jeder Fahrer individuell anpasst. Ich persönlich würde es ja auch so machen. Unterm Strich eine echte Trailrakete mit der du immer und praktisch überall abheben kannst um richtig Spaß zu haben.

Man darf gespannt sein auf die nächste Evolutionsstufe der Conway Enduros; schon heute ist das eWME jedenfalls dran an den bekannten Marktführern.

Conway Fahrräder werden nur über den Fachhandel vertrieben - auf der Conway Homepage findet ihr die offiziellen Händler ganz in eurer Nähe.

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